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Was wird aus dem Biogas?

Biofermenter vor ungewisser Zukunft. Bild: wikimedia, Public Domain https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Biofermentador.jpg

Biofermenter vor ungewisser Zukunft.
Bild: wikimedia, Public Domain
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Biofermentador.jpg

Das Jahr 2020 naht. Dann läuft die EEG-Förderung für traditionelle Biogas-Anlagen älterer Bauart aus. Nur noch Reststoff-Biomethan-Gas wird dann gefördert werden, aber keine ‚maisbetriebenen Anlagen‘. Viele landwirtschaftliche Energiebetriebe dürften künftig also nicht mehr rentabel arbeiten. Womit unsere Region erneut vor optischen und wirtschaftlichen Veränderungen steht.

Wie vollzieht sich beispielweise der Rückbau alter Anlagen? Wie und wo wird der Bauschutt ohne Umweltbelastungen entsorgt? Oder bleiben diese Maisverwerter stehen, bis sie von selbst zusammenfallen?

Auch auf den Äckern dürfte sich vieles ändern. Die Maisflächen werden erheblich zurückgehen, die Pachtpreise fallen. Und was geschieht mit den landwirtschaftlichen Dienstleistern, die sich bspw. teure Maishäcksler angeschafft haben? Die dann nur noch in erheblich geringerem Ausmaß benötigt werden?

Lauter Fragen, aber bisher erst wenige Konzepte … hier ein Link zum Biogas-Monitoringbericht der Bundesnetzagentur.

Es ging schlicht ums Geld

Haben die Gesetze eine Lücke, stößt irgendwer auch dort hinein. So mag sich der eine oder andere gewundert haben, weshalb zwischen der Weihnachtszeit 2014 und Neujahr 2015 auf vielen landwirtschaftlich genutzten Flächen bis tief in die Nacht die Dieselmotoren röhrten, wobei sich bisheriges Grünland in Ackerland verwandelte. Denn um diese Jahreszeit liegen in anderen Jahren auch die Traktoren im Winterschlaf. Der Grund ist ganz einfach:

„Warum die Landwirte diese 13 Tage bis zur neuen bundesweiten Genehmigungs- und Ausgleichspflicht offensichtlich intensiv nutzten, ist klar: 2011 hat ein Hektar Grünland im Landkreis den Wert von 9000 Euro gehabt, Ackerland hingegen 17000 Euro. Mit dem Umbruch verdoppelt sich der Wert. Von 1995 bis 2010 hat sich der Grünlandanteil landesweit um 24 Prozent verringert.“

Dank des Biogas-Booms ist Mais längst sehr viel renditeträchtiger geworden als die traditionelle Heu- oder Weidewirtschaft.

Bis in die Nacht / Bild: Bundesarchiv, wikimedia / CCL

Bis in die Nacht / Bild: Bundesarchiv, wikimedia / CCL

Maisbietend …

Geld lässt sich vermehren, die Anbauflächen bekanntlich nicht. Etabliert sich eine neue Industrie auf der gleichen Grundlage wie die bisherige – so im Falle der zunehmenden Biogasproduktion – dann ist ein Verdrängungswettbewerb unvermeidlich. Die Folgen sind unübersehbar, es ist jenes Phänomen, das im allgemeinen als ‚Vermaisung‘ der Landschaft beschrieben wird. Um die Optik soll es uns hier nicht gehen, uns interessieren die gesellschaftlichen Folgen, die diese Entwicklung auch für die Region Rethem haben könnte.

Pflanzliche Vielfalt im Heidekreis / Foto: Margret Dannemann-Jarchow

Pflanzliche Vielfalt im Heidekreis / Foto: Margret Dannemann-Jarchow

Der Laie oder Städter stellt sich die Bauernschaft gern als eine homogene Gruppe mit identischen Interessen vor. Das ist längst nicht mehr der Fall. In der Frage des Maisanbaus streiten sich ‚Landwirte neuen Typs‘ mit der traditionellen Landwirtschaft, die sich in einem Statement so äußert [alle Zitate im Text sind übrigens verlinkt, die Quellen mit einem Klick aufrufbar]:

„Die rosarote Darstellung der Biogasanlagenzukunft durch die Politiker ist völlig fehl am Platze!“, heißt es in einer Pressemitteilung der Landwirte. Der hohe Flächenbedarf für den Maisanbau führe zu einem „enormen Verdrängungswettbewerb mit den lebensmittelproduzierenden Landwirten“. Und diese sehen sich angesichts der Förderungen für die Gas-Wirte auf Grundlage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes auf der Verliererseite.“

Der Wandel sei unausweichlich, heißt es gern von energiebäuerlicher Seite, Stimmen, wie sie sich bspw. im ‚Bauernverband‘ artikulieren: Wer nicht mithalten könne, der müsse eben weichen.

Ist das so? Mit guten Argumenten hantiert wiederum auch jene Ansicht, wonach dieser Wandel vor allem politisch vorangetrieben wurde, mit falschen oder übermäßigen ‚Anreizen‘ bei der Förderung durchs EEG. Zuvor jedoch ein paar Zahlen:

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